PA Sound mit EQ anpassen

  • Hallo alle zusammen,

    wie perfektioniert ihr eure Rigs, damit sie nicht nur leise gut, sonder auch über eine ordentliche PA nicht schrill sondern amtlich klingen? (Fletcher-Munson-Phänomen...)

    Gibt es spezielle EQ Einstellungen, die den Sound angenehm warm klingen lassen? Oder kann ich den Sound nur laut optimieren...???


    Für Tipps bin ich sehr dankbar...

  • Schau dir diesen Thread mal an: Fletcher/Munson effect


    Hm, da steht nichts davon mit welcher Flankensteilheit das passieren soll und die Anhebung bei 3.95kHz kann auch richtig in die Hose gehen, denn genau in dem Bereich um 4k herum können sich richtig fiese Überbetonungen befinden. Pauschal 12.8dB bei 150Hz abzusenken (auch hier wäre die Frage wie schmal- oder breitbandig) kann den Sound auch komplett kastrieren. Mir ist auch nicht ganz klar wie derjenige der diese konkreten Werte vorgeschlagen hat (und -3.6 bei 3.95kHz ist schon sehr konkret) darauf kommt ohne die Ziellautstärke zu kennen und schreibt ja selber dazu, dass ihm das irgendwann mal vorgeschlagen wurde.


    Ist auch nur meine ganz persönliche Meinung, aber von solchen Pauschalwerten die immer funktionieren sollen halte ich nichts. Fletcher Munson sagt ja, dass Frequenzen bei unterschiedlichen Lautstärken unterschiedlich wahrgenommen werden. Genau das lässt sich ja nicht pauschalisieren ohne die Lautstärke zu kennen. Dazu kommt, dass man zwar für die Anwendung prinzipiell das Ausgangssignal nicht kennen muss, bezieht man sich aber auf den Sound eines Einzelsignals muss man das aber trotzdem mit einbeziehen. Wenn zum Beispiel das Profil schon mit einem Low Pass bei 9kHz erstellt wurde macht eine Absenkung von weiteren 12.6dB bei 9.3kHz wie in dem verlinkten Post vorgeschlagen wurde unter Umständen wenig Sinn.

  • Es ist doch ein Ansatzpunkt! Ich habe gelesen, dass es von Line6 kam und die machen ja ihren Job auch nicht so schlecht. Sicherlich muss man es selbst testen und immer wieder etwas angleichen. Ich werdes mal antesten. Da die Frequenzen ziemlich genau definiert sind, sollte die Filtergüte

    schon ziemlich hocheingestellt werden (schmalbandig).

  • Es ist doch ein Ansatzpunkt! Ich habe gelesen, dass es von Line6 kam und die machen ja ihren Job auch nicht so schlecht. Sicherlich muss man es selbst testen und immer wieder etwas angleichen. Ich werdes mal antesten. Da die Frequenzen ziemlich genau definiert sind, sollte die Filtergüte

    schon ziemlich hocheingestellt werden (schmalbandig).

    Ich habe das nicht so verstanden, dass das direkt von Line6 kam. ;)


    Vorsichtshalber schreibe ich nochmal dazu, dass das nur meine ganz persönliche Meinung ist wie ich das sehe :)

    Ich halte diese Werte und diese dB Ranges nicht für einen passenden Ansatzpunkt. Das kann in irgendeinem Fall funktionieren, muss es aber nicht. Der Ansatz, die Veränderung der Wahrnehmung von Frequenzen bei unterschiedlichen Lautstärken zu berücksichtigen ist zwar richtig, aber darauf bei der Einstellung eines Einzelsignals bei dem man eben nicht weiß wie dort das ursprüngliche Frequenzbild ist, mit pauschalen Frequenzen zu reagieren halte ich für irreführend. Hat das Signal zum Beispiel einen deutlichen Anteil unter 100 Hz bringt eine schmalbandige Absenkung bei 150 nicht viel und bei hoher Lautstärke rumpelt es trotzem auf einer lauten PA. Reduziert man jetzt die Filtergüte fängt der EQ irgendwann bei -12dB Absenkung an, so viel Fleisch wegzunehmen, dass vom Fundament der Gitarre wenig übrig blibt.


    Für meine eigenen Sounds habe ich dafür einen anderen Ansatz. Zuerst versuche ich, störende Überbetonungen und nervende Frequenzen gezielt zu bearbeiten, die laufen Gefahr, dass sie von einer lauten PA nochmal deutlich verstärkt werden. Dann habe ich für live meistens noch einen EQ vorbereitet bei dem ich hauptsächlich die Höhen und Bässe bearbeite die meist das Hauptproblem sind. Ob ich das mit High/Low Pass oder Bells mache entscheide ich dabei von Sound zu Sound. Wobei Low Pass und High Pass trotzdem bei mir yu 90% an sind, um die Grenzbereiche zu beschränken. Gerade auch wenn man vielleicht selber nicht hört, dass da was unter 50Hz ist, wenn man live große Subs laufen hat kann das extrem wummerig werden. Das mache ich aber für jeden Sound individuell, wobei ich es auch für nicht ganz falsch halte, FOH noch etwas Spielraum zu geben um den Sound auf das Venue zu optimieren, örtliche Gegebenheiten haben halt auch nochmal einen großen Einfluß auf die Wiedergabe.

  • Ich schließe mich der Meinung von Navar vollumfänglich an.

    Preset- Filtereinstellungen zur Kompensation des Fletcher-Munson- Effekts sind völliger Unsinn und werden niemals zufriedenstellende Ergebnisse erzielen.

    Und Line6 wären nie so doof, solches vorzuschlagen...


    Übrigens, um eine einigermaßen lineare Wahrnehmungsschwelle beim Einstellen von Sounds zu haben, muss man nicht ohrenbetäubend laut spielen.

    85 dB reicht schon.

  • Ich habe da den Luxus, dass ich in meinem Studio = Proberaum eine verkleinerte Version unserer typischen Live-PA stehen habe. Wir nutzen die HK Audio Elements; wenn wir da live unterwegs sind, dann sind bis zu 3,6 kW am Start mit 4 Subs pro Seite und einer vollen 16-Hi-Mid-Treibersäule; im Studio steht da halt je ein Sub und gerade mal 4 Hi-Mid-Treiber.


    Den Basis-Sound für meine Kemper-Presets bastle ich mir mit einigermaßen ordentlicher Lautstärke auf der PA; damit ist der grundsätzliche Sound aus EQ / Definition / Clarity schon mal gut. Wenn ich dann vielleicht noch Gain anpassen, irgendwelche Stomps konfigurieren, Delay/Reverb/Chorus tunen will, dann brauche ich nicht unbedingt die volle Kapelle; das kann ich dann auch per Kopfhörer oder bei Zimmerlautstärke auf meinen Monitoren anpassen.


    Wer nicht gerade den Luxus einer skalierbaren PA hat, kann das Spiel genauso mit einer ordentlichen FRFR-Box spielen: grundsätzlichen Sound bei ordentlicher Lautstärke eindrehen; Fine-Tuning der Effekte dann bei ohrenschonenden Lautstärken...

  • Danke für die reichlichen Feedbacks.

    Merkwürdigerweise finde ich bei den meisten - auch gekauften - Rigs, dass sie bei höherer Lautstärke sehr sehr spitz und schrill klingen. Bin ich da der einzige, der das so empfindet oder sieht das die breite Mehrheit ebenso...???

  • Merkwürdigerweise finde ich bei den meisten - auch gekauften - Rigs, dass sie bei höherer Lautstärke sehr sehr spitz und schrill klingen. Bin ich da der einzige, der das so empfindet oder sieht das die breite Mehrheit ebenso...???


    Kann sein, dass das bei einigen zutrifft, du weißt ja nie wie die entstanden sind, was derjenige wirklich für eine Umgebung hat usw.. Etwas polemisch gesagt hat ja heute jeder ein Studio der zwei Boxen an seinen Rechner anschließt. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich relativ schnell merke, ob sich die Soundvorstellungen von jemand anderem mit meinen decken und dann kauf ich da halt nix mehr.

    Wenn man mal etwas Zeit bei einem Gig hat lohnt es sich auch, sich mal einen Sound selber zu machen, also wenn man noch einen Amp hat. Das Profiling geht dann ja relativ schnell, man sollte nur die Front ausmachen solange das läuft. 8o


    Kauf dir die Rigs von Guidorist, dann hast du Ruhe im Karton.

    Ich glaube auch, dass die live ganz gut funktionieren, ich hab mir auch mal 2-3 Packs gekauft, aber zu mir passen die leider nicht wirklich.

  • Mir ist bewusst, dass das evtl. noch ein viel schwierigeres Thema ist, aber:


    Hat jemand Erfahrung damit, Bass Rigs im Vorhinein so zu EQen bzw vorzubereiten, dass sie auch auf großen PAs (Sääle, Hallen) ausgewogen klingen und nicht noch viel während des Soundchecks daran geschraubt werden muss?
    Auf der (band)eigenen kleineren PA ist es auch schon stark raumabhängig, aber da lässt es sich einfacher in den Griff bekommen (Low-End auf oder zudrehen).

    Würde mich über Erfahrungen in diese Richtung freuen

  • Ich weis ja nicht,
    Früher mit der Röhre, war ein SM58 oder so davor, und die EQ-Einstellung war Sache des FOH.

    Er musste mit dem Sound zurechtkommen den ich mir auf der Bühne eingestellt hatte.
    Da kam fast nie einer auf die Idee das ich an meinem Amp Rumschrauben soll damit der Sound an der PA stimmt.

    Ich stell mir meinen Sound so ein wie es mir im IEM passt, der FOH bekommt einen relativ flachen EQ, eigentlich nur ein lowcut und highcut,
    den Rest macht er selbst.

    Bei kleinen Gigs wenn die Band selbst mischt, lass ich was durch den Looper laufen und stell das ganze am Mischer ein.
    Das mach ich einmal für Clean / Crunch und HighGain.
    Vor dem Soundcheck Sweepen und Rauschen wir einmal mit REW den Raum durch, und stellen den Graphic EQ einmal auf den Raum und die Lautsprecher ein.

  • Nicht jeder hat bei jedem Gig eine/-n Soundmann/-frau dabei.

  • Nicht jeder hat bei jedem Gig eine/-n Soundmann/-frau dabei.

    Richtig, dann sollte es einen in der Band geben der für den Sound zuständig ist. Will sagen ein Soundcheck wird immer an der Location gemacht, nicht im Proberaum. Der Mixer macht den EQ für alle, und nicht am Amp oder Kemper, der sollte immer liefern was er liefern kann. Wer am Kemper Frequenzen wegdrückt, kann sie am Mixer nur noch bedingt reindrehen (wech is wech). Wenn der Laden dann voll wird, werden bestimmte Frequenzen durch das Publikum geschluckt, wenn die dann schon am Kemper / Amp weggeregelt wurden, dann sind sie weg. Und dann Heist es wieder "das klingt alles so muffig" und "Die Gitarre setzt sich garnicht durch".