Kemper live - „ich höre, dass es nach Simulation klingt“

  • Hallo zusammen,


    gestern war einer der derzeit wenigen Gelegenheiten, mit der eigenen Band einen Gig vor Live-Publikum zu spielen. Einige Freunde waren unter der Zuhörern, darunter auch ein Kemper-Nutzer und ein Digital-Skeptiker.

    Die Aussage nach dem Gig war, guter Sound, allerdings hört man, dass es eine Boxensimulation ist.

    „Du brauchst wieder eine Box auf der Bühne“.

    Ich denke, es geht wohl darum, dass die Gitarre über die PA natürlicher klingen könnte, wenn eine Box auf der Bühne in die vielen anderen Mikros überspricht. Das führt zu einem vermeidlich „größeren Klang“, der durch die vielen Phasenverschiebungen der offenen Mikros herbeigeführt wird.


    Die Band ist mittlerweile komplett auf InEar umgestiegen und die Bühne ist sehr leise geworden.

    Der Mischer hat nun mehr Kontrolle, aber führt das nicht auch dazu, das alles steriler rüberkommt?

    Zudem habe ich das Gefühl, durch InEar weniger dynamisch zu spielen und alles komprimierter klingt.


    Das sind meine Gedanken zum letzten Gig.

    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?


    Aktuelle Rigs für Live: Tone Junkie / Purple Plexi


    Gruß Frank

  • Weniger auf andere hören, mehr das machen, was einem selbst gefällt. Wenn dir dein Sound am Kemper gefällt, ist doch alles tutti.


    So 9x Kluge Jazz-Polizisten gibt's überall. Die sehen den Kemper und geben vor, zu hören, dass es digital ist. In meinem Augen Blödsinn. Aber selbst wenn, mir egal. Mir, respektive dir muss es gefallen 😊

  • Ehrlich gesagt glaube ich das nicht wirklich, dass es sich steriler anhört. Spannend wäre es gewesen, wenn die Zuhörenden nicht gewusst hätten, dass der Kemper am Start war.

    Mit InEar hatte ich bisher keine Probleme.

  • Weniger auf andere hören, mehr das machen, was einem selbst gefällt. Wenn dir dein Sound am Kemper gefällt, ist doch alles tutti.


    So 9x Kluge Jazz-Polizisten gibt's überall. Die sehen den Kemper und geben vor, zu hören, dass es digital ist. In meinem Augen Blödsinn. Aber selbst wenn, mir egal. Mir, respektive dir muss es gefallen 😊

    Ganz genau. Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Je nach Größe des Raums kann es für die Zuschauer schon anders klingen, wenn die Band keine konventionelle Backline mehr fährt.
    Es klingt aber nicht größer oder steriler, sondern schlicht und einfach etwas analytischer, weil Übersprechungen fehlen und das Dazuhören der echten Backline.

    Auch kann es sein, dass ein Gitarrist im Zuschauerraum gern im Gitarrensound badet und sich vorzugsweise vor den Gitarrenamp hinstellt.
    Dem fehlt möglicherweise etwas... vor allem aber Objektivität gegenüber dem Gesamtsound.

  • Danke für eure Rückmeldungen.

    In der Tat bin ich sehr zufrieden, sowohl mit den Möglichkeiten, der Kompaktheit und auch Sound.

    Ich möchte zudem Niemanden bekehren, ich selbst liebe ebenfalls echte Amps.

    Gerne hole ich mir nach Gigs Rückmeldungen, haben die mich doch in der Vergangenheit immer dazu bewegt, nicht stehen zu bleiben, sondern sich am Equipment weiter zu entwickeln.

    Tatsächlich wäre es mal spannend, einen Fake-Amp auf die Bühne zu stellen.


    Schon Erfahrungen mit dem neuen Kemper Cab gemacht?

  • Ich habe mir mal folgenden "Spaß" erlaubt: Wir haben bei einem Hardrockclub zwei Tage hintereinander gespielt, jeweils im Wechsel mit einer AC-DC-Tributeband.
    Am ersten Abend habe ich meinen Kemper vor die Backline vom "Malcolm" aufgebaut. Nach dem Gig kam jemand aus dem Publikum und hat was gemurmelt von wegen "Du spielst echt geil Gitarre - schade nur, daß Du so 'nen Scheiss Kemper spielst".
    Mich hat dann ein Teufelchen geritten und ich habe gesagt "Danke für die Blumen - bzgl. des Amps frage ich mal den Kollegen der anderen Band, vielleicht kann ich den ja morgen Abend spielen".
    Am nächsten Abend habe ich die Cases hinter der Backline weggeräumt und meinen Kemper einfach dort "unsichtbar" platziert. Den Rest der Geschichte kann sich wohl jeder denken ;-)
    Mir persönlich ist es echt egal, ich ich irgend welchen Klischees entspreche (Marshall, Gibson, lange Haare, Tattoos etc.). Das war mal anders - mittlerweile stehe ich da echt drüber.
    Das muß aber natürlich letztlich jeder selbst wissen.

  • Ja, ja, die Aluhut-Fraktion ist natürlich auch unter Musikern und Musikliebhabern vertreten! Denn wir wissen ja alle, daß Computer, also auch der Kemper, potentiell Erdstrahlen durcheinanderbringen, Ohrenkrebs verursachen und allgemein schlecht für's Karma sind8o... Und genau diese Leute verbreiten Ihre Meinung dann sofort via Smartphone auf Twitter, Facebook und Co. :rolleyes:.

    Aber im Ernst: Ich kann die Leute absolut verstehen, die unbedingt an ihrem geliebten Original-Amp festhalten, denn es gibt nun mal nichts authentischeres als das Original, mit allen Vor- und Nachteilen. Und da liegt der Knackpunkt: Wer Flexibilität sucht und seinen Rücken schonen will (mein Mesa Boogie Lonestar Special Combo z.B. wiegt >40 Kg!) sowie sein teures "Schätzchen" nicht den Gefahren des rauen Bühnenalltags aussetzen möchte, inklusive den ca. 200€ alle drei Monate für ein paar neue, gematchte Endstufenröhren, der kommt früher oder später auf den Kemper (oder von mir aus auch Axe-FX, wir wollen mal nicht so sein ^^). Generell finde ich, das es sich dafür allemal lohnt, eventuelle klangliche Nachteile in Kauf zu nehmen, sofern denn solche überhaupt existieren. Es muß ja auch einen Grund geben, warum Leute wie Rammstein oder Mark Knopfler live den Kemper einsetzen!

  • Mir ist es so gegangen: Ich mache Hobbymässig mit einer befreundeten Band, die es semi professionell machen ab und zu Auftritte und ich spiele je nach Laune mit dem Kemper Stage, oder AXE FX III und bisher ist jedesmal entweder jemand aus dem Publikum, oder auch der FOH Mann zu mir gekommen und waren begeistert wie diese digitalen Teile inzwischen klingen. Vorher gehen bei den FOHs vor Skepsis oft die Augenbrauen einen halben Meter höher. Im Hauptberuf bin ich Kabarettist und habe meistens meine Beschallung selbst dabei. Das sind von Fohhn die LX 150 und 601 Boxen, die ja eher unscheinbare Linienstrahler sind. Ich habe 4 Fohhn Boxen in der Big Box in Kempten aufgebaut und da gehen schon gut 3000 Leute rein, da meinten die Haustechniker mit einem klitzekleinen arroganten Unterton, dass ich schon weiß, dass die Leute ganz hinten auch was hören wollen und nach dem Auftritt haben sie das Typenschild der Boxen abgemalt. Immer erst hören und dann quatschen.

  • Weniger auf andere hören, mehr das machen, was einem selbst gefällt. Wenn dir dein Sound am Kemper gefällt, ist doch alles tutti.


    So 9x Kluge Jazz-Polizisten gibt's überall. Die sehen den Kemper und geben vor, zu hören, dass es digital ist. In meinem Augen Blödsinn. Aber selbst wenn, mir egal. Mir, respektive dir muss es gefallen 😊

    !!! Beste Antwort! :)

  • Nicht beirren lassen, bei gut 80% aller Großveranstaltungen steht hinter der Bühne ein Kemper oder ein Fractal. Das geht heute garnicht mehr anders.
    Auf der Bühne entweder gar nichts (Pop / Dance / Schlager ) oder Attrappe (Metal / Rock).

    Die Dinosaurier werden immer trauriger ....

  • Nicht beirren lassen, bei gut 80% aller Großveranstaltungen steht hinter der Bühne ein Kemper oder ein Fractal. Das geht heute garnicht mehr anders.
    Auf der Bühne entweder gar nichts (Pop / Dance / Schlager ) oder Artrappe (Metal / Rock).

    Das wird wohl die künftige Marschrichtung sein. Und sind wir doch mal ehrlich, kein Keyboarder der Welt stellt sich heute ne Hammond inkl. Leslie-Cabinet, einen Flügel und zig Synthies auf die Bühne, nur weil er es für ein zwei Lieder benötigt. Alle greifen heute wie selbstverständlich auf eine Workstation oder Produkte aus dem Hause Nord etc. zurück.


    Das war aber sicherlich auch ein jahrelanger Prozess. Damals waren die ersten Tischhupen, die alles vereint haben, wahrscheinlich auch für die meisten Hexerei und kaum vorstellbar oder authentisch. Heute die Regel.


    Fakt ist aber auch, dass es ohne richtige Amps den Kemper nicht geben würde. Also hat beides definitiv seine Berechtigung im Bühnen- und Home-Recording-Alltag.

  • Fakt ist aber auch, dass es ohne richtige Amps den Kemper nicht geben würde. Also hat beides definitiv seine Berechtigung im Bühnen- und Home-Recording-Alltag.

    Das hat nie jemand behauptet, ein Sampler ersetzt auch keinen Steinway-Flügel. Aber man kann ihn halt so schlecht unter den Arm klemmen.

  • ...nach dem Auftritt haben sie das Typenschild der Boxen abgemalt. Immer erst hören und dann quatschen.

    Hahaha... sehr geil!
    Mal ernsthaft:
    YouTube ist voll von Vergleichen von Amp und Kemper, wo du echt nicht den Unterschied hörst. Also alles längst widerlegt und vor den Hintern geklatscht.

    Was die Meisten einfach nicht abraffen in ihrem Tunneldenken, ist dass du mehr Möglichkeiten beim Kemper hast deinen ganz individuellen und ganz persönlichen Sound zu schnitzen. Und vor allem dass das einen riesigen Bock macht!

    Die sind seit 1974 dabei einen Hendrix-Sound nachzudoktern, mit dem 10. Marshall, der 9. Strat, in der sie 6mal die Coils getauscht haben und saufroh sind, dass sie noch aus Honduras den letzten Colorsound-Wah für 800 Tacken ersteigern konnten, der sie dann doch nicht zum gewünschten Ergebnis führt.


    Es sind einfach festgelegte Menschen ohne flexible Denke, ohne Anspruch an sich selber und Spaß am kreativen Tüfteln.

    Das Marshall mittlerweile selber - aber relativ erfolglos - an hilflosen Simulationen doktert, scheint denen nicht aufzufallen.

    Hauptsache die Muckerpullizei vor der Bühne hat was schlaues gesagt.

    Lasst sie - ist deren Hobby. Und dann lächeln. ;)