Soundprobleme - Welche Referenz"abhöre" für Tweaking?

  • Hallo liebe Kemper-Gemeinde,

    ich bin seit Oktober 2020 unter euch und ihr habt es bis jetzt sicher noch nicht bemerkt, denn dies ist mein erster Eintrag hier im Forum :). Nachdem ich das Internet und natürlich auch diese reiche Informationsquelle förmlich ausgequetscht habe, will ich euch kurz mein Anliegen schildern.

    Der Kemper ist für mich, nach dem zu urteilen, was man an Ton-/ Textmaterial so aufnimmt, ein absolut tolles Gerät. Daran gibt es für mich bis heute (theoretisch) keinen Zweifel. Aber praktisch konnte ich mich mit ihm noch nicht so recht anfreunden. WARUM? Die Sounds, die ich in mühevoller Arbeit mit meiner Studio-Paula erstelle, sind einfach weit ab von dem, was ich von solch einem hochpreisigen Gerät in Verbindung mit professionellen Kaufprofiles (M. Britt, TAF, Guidorist etc.) erwarte. Als Abhörreferenz für's Tweaken nutze ich bisher ausschließlich Kopfhörer (AKG K702). Leider muss ich bisher resümieren, dass die meisten von mir erworbenen und hoch bewerteten Profiles nicht so klingen, wie erhofft, was sich auch durch stundenlanges, gezieltes Drehen an den vielen Stellschrauben des Kempers oftmals nicht ändern lässt. Im Ergebnis verschwindet das schöne Profile-Pack im Archiv - ungenutzt... Das satte Schmatzen eines Marshall-Amps oder die fetten Sounds der 3rd-Power-Profile habe ich meinem Kemper noch nicht ansatzweise entlocken können, wobei mir die theoretischen Grundlagen der Profilebearbeitung durchaus nicht fremd sind. Von daher denke ich, dass ich nicht "blind" in die falsche Richtung laufe.

    Ist eine Performance vermeintlich fertig erstellt (wie gesagt, nach Kopfhörertweak), kommt meist die Überraschung beim Abhören über die PA (FRFR). Wow, ganz anders, leider NIEMALS besser als ursprünglich gedacht, eher überraschend schlecht (dünn, matt, falsche Frequenzen - besonders bei angezerrten Sounds etc).

    Mittlerweile habe ich Zweifel, ob mein Kemper überhaupt so arbeitet, wie er es tun sollte. Leider fehlt mir jeglicher Vergleich.

    Als nächsten Schritt plane ich, als Referenz"abhöre" einen Headrush FRFR108 zu kaufen. Ich denke, damit wird im Gegensatz zum Kopfhörer wieder "Luft bewegt" und ich nähere mich dem FOH-Sound an, was dann hoffentlich über EQ abgleichbar ist.

    Ich bitte euch um euren Rat. Gut möglich, dass Kopfhörer als Referenz für das Tweaken nicht geeignet sind oder es ist doch irgendwo nur eine Einstellungsfrage, um meinen Kemper (und mein Gesicht) endlich strahlen zu lassen.

  • Das geht mir ein Stück weit ähnlich. Vor allem mit Crunch Sounds.

    Ich habe Rigs programmiert, welche über die Home Anlage ganz gut klingen. Am nächsten Tag frage ich mich oft, was ich da zusammen programmiert habe, da ich diese dann zum Teil gar nicht mehr mag. Ob sich meine Ohren zwischenzeitlich verändert haben oder der Kemper die Rigs nicht gleich wiedergibt, kann ich nicht sagen. Schlimm wird es erst, wenn ich dann über eine PA gehe. Dann klingen die Rigs mehrheitlich scheusslich. Deswegen habe ich mir nun zuhause (!) eine kleine PA aufgebaut um Rigs auf eine PA zu programmieren. Aber auch das ist dann nicht so einfach, denn wenn ich die PA laut stelle, klingt erneut alles ganz anders.

    Einen guten Sound hinzukriegen ist das eine, diesen dann in unterschiedlichen Szenarien anzuwenden ist eine ganz andere Geschichte. Ich werde wohl mit EQ/HPF/LPF noch weitere Versuche unternehmen.

  • Hi,


    jeder Lautsprecher/Kopfhörer klingt anders, wenn man das überhaupt so sagen darf. Was viel wichtiger ist, als den besten Lautsprecher der Welt zu haben, ist zu wissen wo welcher Lautsprecher lügt. Natürlich gibt es welche, die mehr lügen und welche die weniger lügen. Kopfhörer und Hifilautsprecher würde ich eher zu den Ersteren zählen, wobei es hier natürlich auch Ausnahmen gibt. Auch spielt die Lautstärke eine Rolle. Da gibt es auch ein Fachwort für, dass mir gerade nicht einfällt. Es ist also nicht möglich, dass der Sound überall 100% gleich ist. Demnach macht das Tweaken auf das letzte µ nur bedingt Sinn. Mach dir lieber mehrere Sounds fertig und versuche die an verschiedenen Lautsprechern zu vergleichen. Dann lernst du, welche Veränderung was bewirkt.

    Übrigens, dass ein Sound an einem Tag cool klingt und am nächsten Tag nicht mehr, kann auch normal sein. Unser Ohr gewöhnt sich bedingt an das was wir hören.

  • Ich kann das Problem 100%ig nachvollziehen, finde aber, dass viele Kemper-User sich darüber viel zu viele Gedanken machen.


    Grundsätzlich muss man ja folgendes erst einmal verinnerlichen: Wenn man über Kopfhörer oder PA seinen Kemper abhört, hört man nicht den Amp, wie er wirklich im Raum steht und mit Cab klingt, sondern abgenommen. Ein Profil ist also immer das abmikrofonierte Amp-Signal.


    Dass dieses abmikrofonierte Signal anders klingt als der Amp selbst, weiß jeder, der einen Amp besitzt, diesen in mühevoller Kleinstarbeit zu Hause eingestellt hat und dann auf die Bühne kommt, ein (womöglich fremdes) Mikro dran gestellt bekommt und "seinen" Sound dann über die Bühnen-PA hört. Es klingt ganz anders. Meist nimmt man es aber hin und spielt, denn auf der Bühne hat man ja seinen heimligen Sound (wenn auch lauter und dardurch meist sogar auch ein wenig "verfälscht".


    Eine Annhäherung an den Home-Sound ist oft nicht möglich, da Bühne und PA meist wechseln. Nur die, die immer mit der gleichen PA spielen, haben sicherlich die Möglichkeit, ihren Sound auch an die PA anzupassen.



    Ich persönlich höre meinen Kemper einmal über normale Kopfhörer ab und einmal über die gleichen In-Ears, die ich auch live nutze.

    Denn so habe ich exakt die gleiche Sound-Einstellung auf der Bühne wie auch zu Hause. Bei mir funktioniert das wunderbar.

    Was FOH ankommt bzw. was der Mischer daraus macht, muss ich ihm überlassen. Dafür ist er Profi genug.


    Und wenn wir selbst mischen, dann bleibt am Mischpult auf meinen beiden Kanälen alles flat. Dass das nicht genau gleich klingt wie zu Hause über den Kopfhörer, ist logisch und allein schon den Abständen zwischen Ohr und Ausgabe-Gerät geschuldet.


    Also von daher: Ich persönlich mach mir da nicht so viele Gedanken, was vorne raus kommt. Wenn's für mich passt und das Spielen Spaß macht, stellt sich für mich der Erfolg ein.

  • Ein Profil ist also immer das abmikrofonierte Amp-Signal.

    Dies vorab: dass beim Profilen ein Mikrofon beteiligt ist, ist schon richtig. ABER: hier werden vom Kemper Profiler seltsame und sehr unangenehme Geräusche auf dem Amp und auf der Box provoziert, die nun gar nichts mit dem zu tun haben, was wir über die angestöpselte Gitarre zu hören kriegen. Was zum Geheimnis der Kemper-Algorithmen bei der Sounderkennung eines Amps gehört.

    Ansonsten kann ich manches nachvollziehen, was hier geschrieben wurde. Meine Erfahrungen: zu vieles Herumprobieren mit Sounds macht irgendwann die Ohren dicht, man kann eigentlich nicht mehr richtig entscheiden, was gut und was weniger gut klingt, und speichert etwas ab, was am nächsten Tag nicht mehr gefällt.


    Dass aber Sounds über Kopfhörer und über FRFR so anders klingen, kann ich nicht nachvollziehen. Über PA kann das was anderes sein, das machen andere für mich.


    Was ich aber wiederum auch oft erlebt habe: gekaufte Rigs klingen anders als über die Werbe-Sounds der Ersteller. Warum, weiß ich nicht. Jedenfalls: keines meiner gekauften Rigs hat es zu einer Performance gebracht, die ich dann tatsächlich auch verwende. Und manche der gekauften Rigs und viele der freien Rigs, die über den Kemper Server auffindbar sind, finde ich so unbrauchbar, kratzig, schrill, kurz: mies, dass ich mich frage, wie können andere Leute das gut finden? Ok, natürlich ist das eine subjektive Wahrnehmung, basierend auf dem, was du als Gitarrensound überhaupt gut findest.


    Letztlich habe ich freie Profile gefunden, die ich, etwas angepasst, einfach gut finde und mit denen der Kemper der Soundmaker ist, den ich liebe.

  • Ich provozier mal: Kopfhörer sind eines der ungeeigneteren Instrumente um Amp-Sounds zu tunen. Ich kenne kaum einen Kopfhörer, dessen Frequenzgang wirklich "flat" ist - damit hat jeder Kopfhörer eine eigene Frequenzlandschaft. Die ist meistens gebaut, um einen ganzen Mix zu hören - entweder, um ihn schöngezeichnet (Hifi-Kopfhörer) oder analytisch (Studio-Kopfhörer) wahrzunehmen.


    Leider kommt's bei einem knackigen Amp-Sound in Isolation oft auf andere Frequenzbereiche an als bei einem vollen Mix; deswegen wirst Du am Kopfhörer Deine Sounds höchstwahrscheinlich in die falsche Richtung entwickeln, sofern Du nicht super-erfahren bist und Deine Ohren gezielt auf die Wahrnehmung von Amp-Sounds per Kopfhörer getrimmt hast. Das geht schon - dafür brauchst Du aber "gute" Referenz-Amp-Sounds, die Du Dir per Kopfhörer oft genug reinziehst, um zu wissen, wie ein guter Amp über Deinen Kopfhörer klingt...


    Dann spielt noch die Fletcher-Munson-Kurve mit rein (Wahrnehmung von Frequenzen abhängig von der Lautstärke), die das Bild oft noch zusätzlich verzerrt.


    Ich habe mir angewöhnt, meine Grund-Ampsounds (ob Kemper oder Software-Ampsims) über einen FRFR-Lautsprecher bei anständiger Lautstärke einzudrehen. Dann schmatzt der Marshall auch...


    Anschließend kann ich die Effekte obendrauf gerne auch am Kopfhörer einstellen; da steht dann der Ampsound schon mal grundsätzlich fest.


    Insofern probier's mal mit Deinem Headrush - das wird Dich sicher weiterbringen. Probier auch mal andere FRFR-Speaker aus; der Headrush hat auch seinen eigenen "Sound"; da ist es gut, zu wissen, wo man aufpassen muss.


    Viel Erfolg!

  • Es ist wie beim normalen Amp, nur schlimmer. Jede Box klingt anders und FRFR bringt noch mehr Höhen.


    Ich habe eine BlueAmp Spark FrFr, einen Kone im Spark Cabinet und habe bei einem Freund über eine Headrush (in meine Augen „Müll“ sorry) gespielt. Darüber hinaus habe ich BeyerDynamic T880 Kopfhörer. Im Prinzip kommt aus jeder Box was anderes raus und dazu kommt dann noch das Thema Raum dazu.
    Im Prinzip musst du immer mehrere Boxen durchtesten und was finden, was auf allen „gut“ klingt. Dann kannst du ja deinen Monitor Out noch etwas mit dem Output EQ tunen.
    ich habe selbst zwei Jahre lang gebraucht, bis ich mit einem ToneJunkie EQ-Preset und einem Rectifier Free Profile von TMS super glücklich geworden bin.


    Letztlich ist es beim Mixen auch nicht anders. Da klingt mein Live Sound relativ übel. Wiederum geht der Recording Sound Live gar nicht (vielleicht mit 1.000 Watt Endstufe). Daneben klingt es auf verschiedenen HiFi-Verstärkern auch immer anders (zu viel Bass, Kick Drum schmerzt im Ohr, …). Mir hat der Kemper sehr geholfen, das Thema EQ viel besser zu verstehen und grundsätzlich ist meine Meinung, dass alle Profile mehr Mitten brauchen, um lebendig zu werden… aber auch hier ein individuelles Thema und ggf. gefällt niemandem mein Sound.

  • Hallo liebes Forum,

    zunächst: Vielen Dank für eure interessanten Beiträge. Ich bin wirklich sehr beeindruckt :thumbup::thumbup::thumbup:, offensichtlich bewegt das Thema nicht nur mich allein. Ich werde meine weiteren Schritte und Erfahrungen mit dem Headrush auf alle Fälle hier ablegen.

    Ergänzend zu meiner Eingangsfrage noch ein paar Gedanken von meiner Seite. Ja, es ist absolut richtig, dass unser Gehör bzw. unsere akustische Wahrnehmung mit der Zeit ermüdet, was dazu führt, dass Sounds, die nach längerem Non-Stop-Tweaken als vermeintlich gut abgespeichert wurden, am nächsten Tag für Überraschung sorgen können. Hier hilft wahrscheinlich nur: Pausen einzulegen, oder Tweaksessions gleich über mehrere Tage aufzuteilen. (Sicher benötigen die Profis deutlich weniger Zeit, schließlich haben sie bereits gute Referenzrigs erstellt und kennen natürlich auch den Weg dahin. Aber wenn man ganz am Anfang steht und mitunter das Potenzial eines unbekannten Profiles noch nicht einschätzen kann, dann wird man geduldig arbeiten müssen.)

    Weiterhin gibt es keinen Zweifel an den physikalischen Gesetzmäßigkeiten bei der Schallgenerierung, ~übertragung bis hin zur Soundreproduktion in unserem Gehirn. Dennoch finde ich es persönlich schon sehr erstaunlich, und damit komme ich zurück zu meiner Eingangsfrage, dass ein Kopfhörer der an Schallquelle 1 (PC) einen super Sound eines Profiles an unsere Ohren bringt, an Schallquelle 2 (genau derselbe Kopfhörer am Kemper) nicht dazu taugen soll, sich durch Tweaken dieses Profiles zumindest dem am PC gehörten Signal soundtechnisch anzunähern. Okay, natürlich ist am Kemper IMMER eine andere Schallquelle (Gitarre) angeschlossen, aber wenn ich meine Paula in einen realen Engl, Marshall oder Fender stecke, dann KLINGT es auch nach Paula in einem Engl, Marshall oder Fender... !?

    Na gut, lassen wir es mal dabei. Schließlich steht die Freude an der Musik im Vordergrund. Ich melde mich wieder.

    Nachmals danke :)

  • Hi Dili67,


    Ich habe meinen Kemper jetzt seit etwa 5 oder 6 Jahren und auch so einige Erfahrungen hinter mir.

    Was den berüchtigten "amp in a room sound" angeht, so war ich mit Studio-Monitoren, aktiven Monitoren (Alto, Yamaha, etc.) nie so ganz happy. Mein "Vergleich", wenn auch ein etwas unfairer Vergleich, ist halt immer mein kleiner Lieblings-Röhrenamp, den ich wirklich gut kenne und mag. Dieses "Amp-Gefühl" hatte ich mit dem Kemper nie so richtig. Aber wie ja schon geschrieben wurde, der Kemper lässt mich DAS hören, was normalerweise von einem abgenommenen Amp über die PA geht, bzw. ich habe eine astreine Qualität für Recordings. Bis dahin alles gut.

    Der "game-changer" war der Tag, an dem ich mir den Kemper Kone in eine halboffene Palmer Box geschraubt hatte. Das war auch mehr so ein Versuch aus Neugier. Aber seitdem fühle ich mich wohl und bin mit den Sounds und meinen ganz persönlichen Anpassungen extrem zufrieden. Die klingen dann übrigens auch (in meinen Ohren) über Kopfhörer und meine Studiomonitore ganz gut. Im Band-Kontext kann es natürlich sein, dass man da nochmal ein bisschen ran muss. Aber im direkten Vergleich mit einem echten Amp und einem 12er Speaker klingt dann auch der Kemper jetzt richtig "nach Amp". Als Kopfhörer verwende ich übrigens einen Bayer Custom One Pro und bin auch damit sehr zufrieden.


    Was das "tweaken" betrifft, so mache ich da meist gar nicht so wahnsinnig viel. Ich verwende überwiegend kommerzielle Profiles (u.a. auch ganz gern von den Tone-Junkies) und finde die klingen von Hause aus so gut, dass ich da gar nicht so sehr dran fummeln möchte. Wenn/dann passe ich je nach Gitarre ein bisschen das Gain am Amp an, ansonsten beschränkt sich der eher auf die jeweiligen virtuellen Tretminen, Reverb und Delay (da ist für mich meist weniger eher "mehr". Ok ich verwende auch gern mal einen Kompresser, aber so sehr viel verändere ich am Grundsound eigentlich gar nicht. Im Grunde sind das die Dinge, die ich auch bei meinem echten Amp und Board anfasse. Ok, die EQ´s vom Kemper sind manchmal auch ein bissschen reizvoll. Gebe ich ja zu. ;-)


    Aber ich will ja auf meinen Gitarren spielen und nicht ständig am Kemper "rumspielen".

    Ich versuche mich auch auf einige Lieblingsamps und zwei bis drei Sounds pro Amp zu beschränken.


    Aus welcher Ecke kommst Du?

    Viellcht kannst Du ja mal im Kemper-Showroom aufschlagen?


    Wenn für dich der Keis Heinsberg (recht dicht an NL) nicht zu weit ist, dann kann ich Dir auch hier mal einen Vergleich und ein Käffchen anbieten.


    Ansonsten....frohes Spielen und liebe Grüße!

    Eine Gitarre zu haben ist besser als eine Gitarre zu brauchen.

  • Hallo Rumble,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe seit Oktober letzten Jahres sehr intensiv im Forum gelesen und versucht, mir einen Überblick über die weit gefächerten Meinungen zu diesem Thema zu verschaffen. Mir ist klar, der Kemper ist eine riesige Spielwiese und bietet unendliche Möglichkeiten, "seinen" Sound zu kreieren. Allerdings gibt es dabei gewisse Regeln und eine heißt: Mach dir klar, für welche Schallquelle und welche Anwendung du deine Presets erstellst. DEN einen ultimativen Sound, der für alle Einsatz- und Abhörmöglichkeiten passt, gibt es nicht.

    Mit realem Amp + Cab ist das etwas einfacher, weil der vorgegebene Parameterraum (Stellknöpfe am Amp, Cabauswahl etc.) deutlich kleiner ist.

    Leider kann ich bei der Arbeit mit meinem Kemper bisher nur ahnen, was damit soundtechnisch möglich ist, da sich dieses oft beschriebene "WOW-Erlebnis" noch nicht eingestellt hat. Die Sounds im Kopfhörer sind einfach noch nicht Amp-Like, auch wenn ich mir die gekauften Profi-Rigs in Originaleinstellungen anhöre. Irgendwie schwierig... Im Proberaum gibt's dann meistens über die PA die große Überraschung.

    Es wäre wirklich super hilfreich, wenn man sich mal mit einem anderen Kemper-Kollegen treffen und mit dessen Equipment vergleichen könnte.

    Danke für deinen Vorschlag :thumbup:. Sehr nett!! Leider wohne ich in einer anderen Ecke Deutschlands, in Jena. (Das "leider" bezieht sich natürlich nur auf die Entfernung bis zum Kreis Heinsberg, nicht auf meine schöne Wahlheimat :)).

    Ich versuche, meine Lektionen zu lernen und werde wohl immer eine gesunde Balance zwischen Soundbasteln und Gitarrespielen im Auge behalten.

    Herzliche Grüße

  • Eine Referenz-Abhöre ist immer neutral, das sind gute Studio Monitore,

    Na ja, so richtig "neutral" ist auch kaum ein Studio-Monitor - man denke nur an die legendären NS-10 mit ihrem "Mittengebirge":

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    Auch die HEDDs sind nicht wirklich "neutral":

    pasted-from-clipboard.png

    (aber schon deutlich neutraler als die Yamahas).


    Fazit: auf Studiomonitore muss man sich auch "einhören", damit man ein Bild davon hat, wie "anerkannt gute" Quellen darauf klingen (deswegen mixt man auch besser mit Reference Tracks).


    Entsprechend kann man sicherlich auch mit Studioabhören einen "amtlichen" Gitarrensound basteln - anständige Lautstärke herstellen (wg. Fletcher-Munson) und die Ohren mit einem "guten" Gitarrenamp-Sound kalibrieren.


    Einfacher ist es aber sicherlich mit einem FRFR oder einer kleineren PA - damit hört man dann auch wirklich, wie's sich dann live oder in der Probe anhört...

  • Ich tendiere auch dazu mir einmal diesen Showroom in Recklinghausen anzuschauen.

    Man kann bestimmt das eine oder andere aus diesem Termin mitnehmen!?


    Das Angebot mit dem Vergleich und einem "Käffchen" klingt in meinen Ohren auch sehr verlockend....; )

    Kreis Heinsberg ist keine Entfernung...

    VG :)

  • Mit realem Amp + Cab ist das etwas einfacher, weil der vorgegebene Parameterraum (Stellknöpfe am Amp, Cabauswahl etc.) deutlich kleiner ist.

    Ich vermute, dass die "Unzufriedenheit" mit dem Kemper-Sound mancher User daher rührt, dass man einfach wie du schon sagst, viel zu viele Parameter hat, an denen man rumbasteln kann.


    Ich für meinen Teil benutze diese Parameter (in der Stack-Sektion) kaum. Mir muss ein Profile so wie es vom Ersteller gespeichert ist, gefallen.

    Ansonsten suche ich weiter. Im Vergleich zu meinen anderen Profiles drehe ich maximal ein bisschen am 3-Band-EQ rum, um starke Differenzen zwischen den Profiles zu vermeiden.



    Die Arbeit mit einem "echten" Amp ist nicht leichter. Ich schätze, man ist nur einfach etwas nachsichtiger mit ihm.

    Mal ehrlich: Kaum jemand fährt doch mit seiner eigenen Klampfe und Gigboard ins Musikgeschäft und probiert stundenlang mehrere Amps aus.

    Die Realität ist doch eher, dass man sich einen Amp ausguckt, diesen mit einer Gitarre aus dem Laden ohne Effekte anspielt, im besten Fall für gut befindet und mit nach Hause nimmt.

    Und dort dreht man dann so lange rum, bis es für einen selbst passt. Kleine "Unebenheiten" in Bezug auf den Sound werden hingenommen, schließlich ist es doch im besten Fall der Traum-Amp für mehrere tausend Euro. Der muss gut klingen! An die PA wird da noch gar nicht gedacht.


    Beim Kemper ist es andersrum. Profiles gibt es kostenlos oder aber für ein paar Euros. Bei 40 EUR für ein MBritt-Pack und gebotenen 6-10 Amps kann man dann schon wählerischer sein und man ist es auch (was ja auch gut ist). Und beim Kemper wird meist auch direkt mit an die PA gedacht.

    Früher hab ich keinen einzigen Gedanken an die PA verschwendet. Mikro dran und fertig, nach mir die Sintflut ^^


    Vielleicht machen sich so viele Kemper-User ja auch so viele Gedanken um ihren Sound, weil sie sich im Vorhinein vor Kritik schützen möchten. Vor den allseits beliebten Modelling-Kritikern z.B., die einen Kemper selbstverständlich immer vom Original unterscheiden können :/


    Ich für meinen Teil habe dieses Denken abgelegt (anfangs hat es mich auch geplagt) und konzentriere mich mehr auf mein Spiel.

    Macht auch viel mehr Spaß :)

  • Ich freue mich wirklich sehr über eure Beiträge zu diesem Thema. Nochmals ganz herzlichen Dank dafür.

    ToH2002 : Ich bin ganz deiner Meinung. JEDES Abhörsystem hat seine Spezifik. Man muss sich durch Vergleich an seinen Idealsound herantasten. Was dann bei einem Gig "vorne" rausgeht, bekommt man i.d.R. ohnehin nicht direkt mit.

    Das meinte ich auch mit meinem Vergleich zu einem richtigen Amp. Da hat man sein Soundsystem mit Amp-Cab-Effektgeräten nah bei sich und hört SEINEN Sound auf der Bühne entsprechend gut. Was dann über Mikro ans FOH geschickt wird, ist Sache des Tonis...

    drduesenberg: Stimmt, mit nem Amp ist sicherlich auch nicht alles mit nem Fingerschnipps erledigt.

    Was ich sagen will: Beim Kemper muss man u.U. 3 Wege soundtechnisch zusammenführen: 1. Tweaksound (Studiomonitore, Kopfhörer, In-Ears, FRFR-Cab...), 2. Monitorsound, 3. FOH

    Und das ist für mich momentan der Knackpunkt, weil es bei mir noch zu weit auseinandergeht. Daher mein nächster geplanter Schritt: 1) und 2) zusammenfassen und sich damit möglichst gut an 3) annähern. -> FRFR108 (Headrush)

    Anbei mal der Frequenzgang meiner Referenzkopfhörer AKG K702 (die im Test bei Kopfhörer.de mit 5 Sternen bewertet wurden und auch nach meinem Dafürhalten an anderen Schallquellen richtig gut sind). Wie bereits geschrieben, die Sounddemos von Profiles kommen damit am PC super fett rüber und wenn du dann erwartungsvoll diese Profiles auf deinen Kemper packst und loslegen willst, bist du platt - so wie das, was da an dein Ohr dringt... (???)

    drduesenberg: Mit welchen Kopfhörern arbeitest du denn?


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